27. Juni 2013

Im Gedenken an eine guten Freund - Holger

Vor drei Jahren habe ich Holger kennen gelernt, der für mich sehr schnell ein guter Freund wurde. Wir haben uns von Anfang an super gut verstanden, da er selbst Jahre zuvor Depressionen hatte und es geschafft hat heraus zu kommen und es ihm zu diesem Zeitpunkt wieder richtig gut ging. 



Dies ist im Sommer 2010, nur ein paar Tage nach dem wir uns kennen gelernt haben und er mich direkt für eine Nacht zu sich eingeladen hat, während ich auf meiner ersten "größeren Reise" zwei Wochen durch Deutschland und Österreich gefahren bin.


Er war für mich immer das leuchtende Beispiel, dass es wirklich möglich ist, diesen ganzen Scheiß hinter sich zu lassen und wieder Freude und Spaß im und am Leben zu haben. Im Herbst 2010, in meiner allerschwersten Zeit, weiß ich nicht, was ich ohne ihn gemacht hätte. Er war für mich wie ein Mentor, Trainer und Sponsor und ich weiß nicht wie viele unzählige Stunden wir telefoniert haben, er mir immer wieder Mut gemacht hat, wenn ich selbst schon längst nicht mehr an mich glauben konnte. Das da jemand war, der einen voll und ganz versteht, nicht für verrückt und abgedreht hält war so viel wert. Sogar fast eine ganze Woche habe ich bei ihm und seiner Familie verbracht, als ich "arbeitsunfähig" war und es alleine in meiner Wohnung nicht mehr ausgehalten hab. Immer wieder hat er mir versichert, dass es irgendwann vorbei sein wird und wir dann gemeinsam darüber lachen werden, auch wenn es noch eine längere Zeit dauern würde. Er hat mir eingeredet Geduld zu haben und mit den noch so kleinsten inneren Fortschritten zufrieden zu sein. Alles Dinge, die ich niemals geglaubt geschweige denn hinbekommen hätte, wenn er nicht der lebende Beweis für mich gewesen wäre, dass es wirklich möglich ist!

Auch als es bei mir wieder bergauf ging haben wir immer noch den Kontakt gehalten, auch wenn es weniger wurde, da ich (ja Gott sei dank) wieder Kraft hatte, mich um meinen Alltag zu kümmern. So waren wir einige Male auf Xavier Naidoo oder Söhne Mannheims - Konzerten und hatten ausgemacht irgendwann mal gemeinsam einen Teil des Jakobsweges zu gehen.

Dieses letzte Foto ist vom März 2012, als ich zu meiner Reise aufgebrochen bin und ihn nochmal zu Hause besucht hatte.


Im Januar haben wir uns das letzte Mal gesehen, als wir uns in München auf der BAU - Messe getroffen haben und er ziemlich guter Dinge war.

Im März dann erzählte er mir, dass es ihm wieder schlechter gehe und seine Depressionen nach vielen Jahren plötzlich wieder gekommen seien und ich hätte nie gedacht, dass dieser umgedrehte Fall einmal eintreten würde, dass ich ihm nun Mut zusprechen müsse. Mehrere Male haben wir telefoniert und ich habe richtig gemerkt, dass es ihm immer schlechter ging, da ich ja all die geschilderten und beschriebenen Dinge nur zu gut kannte! Im April dann ein sehr erschütterndes Telefonat, da er sogar schon viele Wochen krank geschrieben war und ich gemerkt habe, dass es ihm unendlich dreckig ging und er zu mir meinte, "Zum Leben fehlt mir die Kraft und zum Sterben der Mut..." Natürlich war ich nicht übermäßig entsetzt über diese Aussage, da ich das Gefühl kenne, wenn man keine Alternative mehr sieht, auch das vermeintliche Licht am Ende des Tunnels vollends erloschen scheint, man zu 110% davon überzeugt ist, dass es nie mehr besser wird und die Gewissheit, dass es keinen Ausweg mehr gibt. 

Dies war das letzte Telefonat, ab diesem Zeitpunkt habe ich ihn nicht mehr erreicht. Dann habe ich oft versucht bei ihm zu Hause und seiner Familie anzurufen, aber auch dort leider niemanden erreicht. Als ich Mitte Mai auf dem Rückweg vom HU-Treffen war, wo ich meinen Vortrag "There is another choice!" gehalten habe und allen Anwesenden erzählte, dass es im Leben immer eine andere Möglichkeit gibt, bin ich bei ihm im Odenwald vorbeigefahren, aber es war leider niemand zu Hause. So habe ich ihm mit einem arg mulmigem Gefühl einen Brief vor die Haustüre gelegt, er solle sich doch bitte wieder bei mir melden, da ich mir Sorgen mache und wissen will wie es ihm geht. Leider habe ich nie eine Antwort bekommen. 

Vor zwei Tagen habe ich von seinem 12-jährigen Sohn erfahren, dass er tot ist!

Der Mann, der an einen riesen Anteil an meiner Genesung hatte, ich werde ihn nie mehr wieder sehen! 


Mehr vermag ich im Moment nicht darüber zu schreiben, da es für mich noch zu schockierend ist, aber teilen möchte ich es trotzdem...

22. Juni 2013

Ciao München

Hallo mal wieder!


in meinen letzten verbleibenden Wochen in München hatte ich dann auch das Glück auf der Arbeit einmal ein paar interessantere Routen zu bekommen. Man muss eben nur fragen, nach dem was man will... :-)



So bin ich einige Male bis in die Alpen nach Benediktbeuren - mit Erinnerungen an meine Klssenfahrt im 10. Schuljahr :-), Murnau, Bad Tölz und Garmisch-Partenkirchen gefahren. Hier bei der Auffahrt zum Walchensee an Kochel vorbei, als ich mich entschlossen habe die "Panorama-Route" der Autobahn vorzuziehen...







Da mit dem Ende des Monats April auch mein Arbeitsverhältnis endete (und damit auch die meiste Zeit in der ich einem Navi nachgefahren bin...) habe ich noch ein paar Tage in München verbracht, bin wenigstens einmal im Hofbräuhaus gewesen, um eine Maß zu trinken und zum Monatswechsel dann wieder in die Eifel gekommen.



Anfang Mai war direkt das Tesch-Travell-Treffen in der Nähe von Malmedy. Obwohl ich ja ohne Motorrad zugegen bin, habe ich mich überreden lassen, dort teilzunehmen,




 was auch keine schlechte Entscheidung war...



Habe hier zufällig Wim aus Rotterdam getroffen, den ich im Jahr davor über's Internet kennen gelernt hatte, da er meinem blog gefolgt ist. It's a small world.... :-)



 Er ist der linke von uns Dreien.


Anschließend habe ich begonnen hier in der Eifel auch noch zu arbeiten, 





und mich nun in den verbleibenden Wochen meiner restlichen Vorbereitungen der Weiterreise gewidmet.

Mitte Mai war dann im Odenwald das deutsche Horizons Unlimited-meeting, was ich nach anfänglichem Zögern (da ich auch hier ohne Zweirad anreisen musste) aber dann auch mitgenommen habe.  

So habe ich diesen Weggefährten hier wieder getroffen, den ich ja letztes Jahr auf dem GR-Treffen bereits kennen lernen durfte...


Hanno....!!!!!!   :-)

Habe die neueste Generation von Travell-Bags gesichtet...


und Arno kennen gelernt, mit dem ich einige Ansichten über "Motorrad-Therapie" teilen konnte und der als pensionierter Lehrer die letzten 7 oder 8 Jahre nur noch durch die Welt tingelt...


Er ist einer derjenigen, mit denen ein Gespräch sehr schnell beendet ist, wenn man sie fragt wo sie denn noch nicht gewesen sind.... :-)

Dann war da noch Donato aus Italien, der mit seiner Harley (mit Riemenantrieb!!) durch ganz Asien gefahren ist.


inklusive Kirgisistan, China, Pakistan, ganz Indien, komplett durch Russland, Kasachstan, die Mongolei usw....


und nicht zu vergessen dieser Knabe mit seinem umgebauten hammergeilen Diesel-bike!!

Auch habe ich selbst wieder meinen etwas erweiterten Vortrag vom Greece-meeting gehalten und wieder viele positive Rückmeldungen bekommen und war froh doch auch zu diesem Treffen gefahren zu sein! :-) :-) :-)

So habe ich in der Zwischenzeit schon mal das erste meiner anvisierten Visa, was wohl auch das leichteste war, bekommen.



Indien ist ein sehr Reise-freundliches Land, zumindest was die Einreiseformalitäten angeht. Anders sieht es da hingegen beim westlichen Nachbarn Pakistan aus. Beim Konsulat sowie bei der Botschaft in Berlin hat man mir als Overland-Traveller keine großen Hoffnungen gemacht und auch zwei Versuche es mit Hilfe von Visa-Agenturen zu versuchen, sind bisher fehl geschlagen.


So wie es ausschaut werde ich mir wohl eine alternative Route zum meinem Wunsch-Reise-Land Nr. 1 mit seinen atemberaubendem Bergen des Pamir und Karakorum und dem unter Bikern legendären Karakorum-Highway aussuchen müssen... :-(





7. April 2013

For the money...????

Hallo!


Ein wenig Schreib-Faul bin ich geworden, in der letzten Zeit! Dies hat mehrere Gründe. Zum Einen bin ich meist ziemlich fertig von den langen Arbeitstagen, da ich noch vor 5 Uhr aufstehen darf und vor 18 Uhr meist nicht zurück bin...

Aber ich will mich nicht beschweren, da ich einfach nur happy und glücklich bin wieder eine Arbeit zu haben und diese auch gut hin bekomme. Und ein wenig Spaß habe ich dabei auch noch! :) 

Nun hat es sich ergeben, dass nach all den sehr zähen Bewerbungsmodalitäten ich zu einigen Vorstellungsgesprächen als Ingenieur eingeladen wurde und bei einem davon auch eine Zusage bekam. Ein 1A-Gehalt, was meine bisherigen Verdienste weit in Schatten gestellt hätte, einen Firmenwagen und der restliche Schnickschnack, der halt noch so dazu gehört... Finanziell natürlich überaus lukrativ und ich hätte in Anbetracht meiner weiteren Reisepläne ja gut nach 3 Monaten und Probezeit wieder kündigen können. ABER, habe ich mich mit dieser Entscheidung nicht wirklich wohl gefühlt. Zum Einen den Leuten dort jeden Tag etwas vorspielen zu müssen und in Gedanken bei dem bestmöglichen Szenario, wie ich den in spätestens drei Monaten wieder einen Abgang mache!? Und was mein zukünftiges Reisen und Geld angeht, habe ich mittlerweile eh eine ganz eigene Theorie entwickelt. Hinzu kam noch, dass weitere Reisevorbereitungen und andere Dinge dann ohnehin viel zu kurz gekommen wären.  Also habe ich meinen potentiellen Chef angerufen und ihm reinen Wein eingeschenkt und gesagt, dass ich ab dem Sommer wieder mit meinem Motorrad weiter gen Süd-Osten reisen möchte und von daher die Stelle nicht antreten werde. Er schien recht ernüchtert, da er mich scheinbar schon fest eingeplant hatte, war aber dankbar für meine Ehrlichkeit. (Was soll er auch anderes sagen?) Bei der zweiten Firma habe ich dann im Anschluss auch gleich angerufen und ebenfalls abgesagt. Daraufhin habe ich meinen jetzigen Chef gefragt, ob er mich im April auch noch gebrauchen könne, was er begeistert bejahte, da ihm wohl immer noch jemand fehlt und so werde ich bis Ende diesen Monats noch weiter LKW fahren.

Anschließend ging es mir sowas von gut und großartig, einfach Wahnsinn!!! Das ist scheinbar das Gefühl, wenn man merkt auf dem richtigen, auf seinem Weg zu sein und diesem auch aktiv zu folgen!!!


Und einfach nur die Tatsache, dass ich also doch noch einen guten Ing.-Job finden kann, gab mir natürlich auch ein super Gefühl!  :-)

Alles in Allem geht es mir mit den getroffenen Entscheidungen super gut und ich bin momentan echt klasse drauf! Dass es nochmal so sein würde, eine lange Zeit konnte ich es nicht glauben! Aber umso mehr freut es mich und auch weiterhin werde ich genau Dem oberste Priorität einräumen! Und dies verdanke ich der Tatsache, die ich während meiner "Motorrad-Therapie" gelernt habe, nämlich auf die eigenen Gefühle zu hören und von daher auch Entscheidungen zu treffen die andere nicht unbedingt nachvollziehen können.. ;-)


Was meine Weiterreise angeht, so bin ich vor längerer Zeit bereits auf eine Stiftung aufmerksam geworden, deren Intension es ist Langzeit-Weltreisenden unterwegs die Möglichkeit zu erleichtern eigene karitative Projekte durchzuführen. Die "Stiftung-für-Helfer", gegründet von Joachim von Loeben, der selbst in zwei Jahren mit dem Motorrad um die ganze Welt gereist ist und dabei viele Projekte auf allen Kontinenten der Erde verwirklicht hat. Nun will er auch andere hierfür begeistern, durch finanzielle Unterstützung und Beratung, sich selbst unterwegs für die Gute Sache einzusetzen, wobei jedes Projekt vom "Helfer" selbst organisiert wird. All dies hat mich beim Lesen sehr beeindruckt und ich wollte natürlich mehr hierüber erfahren. Also habe ich Joachim kontaktiert und ihn auf dem 2.Stiftungstreffen in Köln-Nippes besucht...



...und beschlossen mich seiner Sache anzuschließen. Bisher wurden meist Schulen, Kranken- oder Waisenhäuser in vielen Ländern (u.a. Nepal, Mexiko, Peru, Malawi, Äthopien, Pakistan...) unterstützt, aber meine Idee schien auch recht Willkommen. Da mein Motto auch weiterhin bike the ag-world sein soll, habe ich vor einheimische Landwirte zu unterstützen, bei denen es um Existenzwirtschaft geht. Z.B. bei der Reparatur von dringend benötigtem Gerät, welches aufgrund mangelnder Sach-Kenntnisse oder finanzieller Möglichkeiten nicht instand gesetzt werden kann. Ich spreche hier von Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben und bei denen die Landwirtschaft die einzige Möglichkeit der Existenz für sich und ihre Familien darstellt. Wohl für die meisten Deutschen (und mich selber auch noch...) unvorstellbar. 

Desweiteren habe ich mich in der Zwischenzeit mit den Botschaften bzw. Konsulaten von Iran, Pakistan und Indien in Verbindung gesetzt. Bei erstem kam ich am 19. März leider an einem einheimischen Feiertag an. Und zwar der "Feiertag zur Verstaatlichung der Erdöl-Förderung". Auch nicht schlecht, braucht nur einen Namen, das Kind... :-)

Bis demnächst und schöne Grüße aus Bayern!

Alexander




17. Februar 2013

Back in Germany - München

Hallo Zusammen,

nachdem ich nach Deutschland zurückgekehrt bin, habe ich Weihnachten und Neujahr über in meiner Heimat verbracht und damit begonnen, mich nach einer Arbeit umzuschauen.Da ich bei meinem ehemaligen Arbeitgeber leider nicht mehr wirklich punkten konnte, versuche ich nun einmal mehr in meinem Leben nach vorne zu schauen und offen zu sein für Neues! Wer weiß wofür es gut ist und was mich noch erwartet... 

So habe ich mir München als potentiellen Arbeitsplatz für die nächsten Monate ausgesucht, meine Sachen und meinen treuen Begleiter und Glücksbringer "Mr. Tinus" eingepackt und mich auf den Weg gen Süden begeben...



München, da ich mir in einer solchen Großstadt gute Arbeitschancen erhoffe und eben um die erneute Anschaffung eines Autos zu vermeiden. Eine Arbeit als Ingenieur kann ich mir mittlerweile auch wieder sehr gut vorstellen. Mehr noch, ich habe sogar wieder richtig Interesse und Motivation in dieser Hinsicht mich zu betätigen. Allerdings gestaltet sich die Stellensuche weitaus langwieriger und schwieriger, als ich anfangs vermutet habe. Zwar ging 2012 als das beste Jahr in der Nachkriegsgeschichte, u.a. mit 40.000 unbesetzten Stellen einher, aber dennoch habe ich nach 8 Wochen nicht mal auf die Hälfte aller Bewerbungen auch nur eine Antwort bekommen und ansonsten - soweit ich bei der Wahrheit geblieben bin und kund getan hatte, dass ich nur eine befristete Stelle für einige Monate suche - Absagen. Hinzu kommt noch eine andere Problematik. Ich habe schon früher, während und nach meinem Studium immer gesagt, ich könne mir nicht vorstellen für eine Firma zu arbeiten, mit deren Produkt ich mich nicht identifizieren kann. Und dies ist auch heute noch so und von daher würde es mich sehr (zu) viel Überwindung kosten meinen Tag damit zu bestreiten, mir über die Gemeinkosten von Rohrverbindungen oder den Wirkungsgrad einer Hutmutter den Kopf zu zerbrechen oder aber auch als reiner Konstrukteur den Tag rum zu kriegen. Und so habe ich mich recht schwer getan eine adäquate Stelle zu finden...

Also habe ich einmal mehr versucht mir, frei von sämtlichen konventionellen Zwängen und Ansichten, auf ehrliche Art und Weise eine Antwort auf die Frage "Was will ich und würde ich im Moment am Liebsten tun?" zu geben. Und da kam mir der Gedanke, dass ich ja während meines Studiums genau aus diesem Grund einmal den LKW-Führerschein gemacht habe und mir nun für ein paar Monate durchaus vorstellen könnte, vor allem mit Spaß an der Sache LKW zu fahren.

Und wie der "Zufall" es wollte, gab es eine Spedition, die just in den Tagen, einen Fahrer nur für ein paar Monate suchte. ;-) Nachdem "Vorstellungsgespräch", was in einem Nachmittag Mitfahren bestand, habe ich dann direkt am nächsten Tag zu arbeiten begonnen. "Wir werden Sie nicht ins kalte Wasser werfen!" war die Aussage an jenem Freitag-Nachmittag. Als ich Montags morgens dann  zum 1. Arbeitstag erschien, "Ein Fahrer ist krank, hier ist ihr Fahrzeug, hier ihre Route, Sie schaffen das schon, viel Glück!" Und mal wieder der Beweis, alle Firmen sind doch irgendwie gleich... 



Ich brauche wohl nicht extra zu erwähnen, dass mich meine erste Route direkt in die Münchener Innenstadt durch Prinz-Regenten-Straße & Co. geführt hatte. Quasi die Feuertaufe! Und so habe ich in den Februar hindurch angefangen die Münchener Innenstadt und Umgebung kennen zu lernen...

Und in meiner freien Zeit bin ich natürlich schon wieder in Gedanken mit zwei Rädern "on the road" und für die Fortführung meines Projekts bike the ag-world beschäftige ich momentan u.a. mit folgenden Fragen:

- Gibt es eine Fährverbindung über das schwarze Meer von Bulgarien nach Georgien?


- Wie sicher ist die Route durch den Korridor in Armenien der beide Teile Aserbaidschan's  voneinander trennt? 


- Wie lange ist die größte Zeitspanne von der Ausstellung bis zur Einreise eines Visums der Islamischen Republik Pakistan

- Wann beginnt in Nepal die Regenzeit?

- Gibt es für Touristen in Indien ein "multiple-entry-visa"?


- Wie alt darf man höchstens sein, um noch ein "working holiday"-Visum für Australien zu beantragen?


Fragen über Frage, Fragen die nach einer Antwort verlangen... würde Gandalf sagen! :-)


Und da vom 15. - 17.02. die imot Motorradmesse hier in München war, habe ich mir natürlich auch diese nicht entgehen lassen und u.a. die Damen und Herren von touratech besucht und mich bei einem ausgedehnten small-talk für die bisherige Unterstützung bedankt sowie mir einen neuen Tankrucksack zum Messepreis bestellt...



Anschließend habe ich noch einen Dia-Vortrag von Andreas Hülsmann besucht, der mir bisher immer nur aus einschlägigen Zeitschriften wie MotorradAbenteuer ein Begriff war. Mit ihm habe ich mich im Anschluss auch noch kurz unterhalten und da habe ich erfahren, dass er nach seinem Maschinenbaustudium eine ganz andere Richtung eingeschlagen hat, indem er eben viel gereist und Journalist geworden ist, nun Dia-Vorträge hält und Bücher schreibt, von denen sein erstes den Titel "Auszeit" trägt, was ich mir dann auch noch mitgenommen habe.... ;-)

Und nun nach fast 3 Monaten Bewerbungen kommen dann doch potentielle Bewerbungsgespräche und gar Job-Offerten, die mich dann ins Grübeln gebracht haben....



18. Dezember 2012

Bulgaria

28.647 km

Hallo!


Nach all den vergebenen Arbeitsbeschaffungs-Bemühungen, habe ich für mich beschlossen, nach Deutschland zurückzukehren, da ich mir hier bessere Chancen und Verdienstmöglichkeiten verspreche. Zwar war ich zu Beginn mit der Entscheidung recht frustriert, da ich diese mit einem "Aufgeben" meinerseits assoziierte. Allerdings ist diese Ansicht mittlerweile verflogen, da ich ja anfangs nicht einmal sicher war, ob ich überhaupt bis nach Griechenland fahren würde und es ja dann doch bis in den Iran geschafft habe und nun auch stolz auf mich selber bin! Von daher genießen wir noch ein paar Tage in der türkischen Hauptstadt, bevor ich alleine mit dem Motorrad weiter nach Bulgarien fahren werde, um dann von Sofia aus nach Deutschland zu fliegen.

In Istanbul verbringen wir ziemlich genau zwei Wochen bei Alp und an einem Wochenende nimmt er uns mit in die Altstadt auf der europäischen Seite.


Sultan Ali Pink ....  ;-)


Und zu seinem Teehaus und Nargil-Stube, in welchem er zu seiner Studentenzeit einige Nachmittage verbracht habe...



So sieht er aus, der traditionsbewusste Nargil rauchende und den westlichen Kommunikationsmedien nicht abgewandte Türke.... :-)

Anschließend lädt Alp uns einmal mehr auf ein super leckeres Abendessen ein.


"Wer soll das alles essen?"

Etwas, was mir in der letzten Zeit arg aufgefallen ist, neben der Tatsache, dass ich knapp 8 kg abgenommen habe, dass wenn ich viel Hunger habe (und auch reichlich Essen vorhanden) nach ungewöhnlich wenig Essen bereits satt bin. Meine Vermutung, ob sich mein Magen, an das meist nicht so üppig ausfallende Essen gewöhnt hat und von daher geschrumpft ist??? 

Also falls jemand sich mit überflüssigen Pfunden umherplagt, empfehle ich 
"Motorcycle-Diet-Therapy"...  ;-)

...mit durchfahrendem Erfolg...

Da mein Motorrad die TR spätestens im März verlassen muss, will ich keine hohen Strafen riskieren und es von daher nicht hier bei Alp lassen, was er mir angeboten hat. Da Bulgarien ja mittlerweile auch EU-Mitglied ist, werde ich es dort im "Moto-Camp" in Idilevo deponieren und überwintern lassen. Schweren Herzen muss ich mich für diese Zeit von Mila trennen, da sie auf die schnelle nicht so einfach ein Visum für Deutschland bekommt. Sie wird hier in Istanbul bleiben, da sie die Stadt sehr mag und zudem gerne Türkisch lernen möchte...

Donnerstags Abend dann ein letztes gemeinsames Foto


Da es in BG und an der türkischen Grenze bereits geschneit hat, habe ich vom Wetterbericht die beiden wärmsten Tage herausgesucht, vorsichtshalber zwei Tage für die gut 500 km lange Strecke angesetzt und mich Freitags Morgens auf den Weg gemacht. Leider war der Abschied nicht wirklich angenehm und schön ... :-(


und so bin ich mit einem sehr lauen Gefühl im Bauch gen Westen aufgebrochen. Und zu allem Überfluss fängt es 5 min nach meiner Abfahrt noch fermst an zu regnen... :-(

Nach gut 100 km mache ich die erste Pause und vermisse Mila bereits ziemlich und lese den Brief, den sie mir zum Abschied geschrieben hat. Dabei werde ich dann echt traurig und wäre am Liebsten einfach zurück gefahren!?

Und einmal mehr gebe ich mir selbst die Antwort: "Will ich zurück fahren?" "Ja, ich will!" Also bin ich umgedreht und bleibe sehr zu unserer beider Freude noch eine Nacht mehr in Istanbul!!! :-)


... und breche am nächsten Morgen mit einem viel viel besseren Gefühl im Bauch erneut auf! Auch ist das Wetter tausend Mal besser, da es nicht mehr regnet und auch der Himmel nur leicht bewölkt ist :-)

Die über 300 km bis zur Grenze lege ich ungewöhnlich schnell zurück und bin bereits um 13 Uhr am Grenzübergang und fahre an bestimmt 5 Kilometer wartenden LKW's vorbei...


Gebe meine verbleibenden 8 Türkischen Lira für Lahmacun und Cay aus und bin nach nur 10 Minuten auf der anderen,

 

... der bulgarischen Seite. 

Allerdings ist der Sonnenschein nur noch von kurzer Dauer. Auch endet die Autobahn nach einem kurzen Stück und bei der Weiterfahrt gibt es eine Umleitung, so dass die Straßenverhältnisse schnell wechseln. Hinzu kommt, dass ich alsbald recht orientierungslos bin, da ich aus dem Einzugsbereich meiner Türkei-Karte hinaus fahre, ich nur per Hand meinen nächsten Zielort Stara Zagora recht sporadisch hinzugefügt habe, die Sonne zur Orientierung nicht mehr da ist und mein Kompass mir vor längerem schon geklaut wurde...



So finde ich mich schließlich irgendwo im Hinterland wieder. Da die meisten Straßenschilder nur auf Kyrillisch gedruckt sind, weiß ich nicht einmal genau wo und dunkel wird es auch langsam. Nach dem ich einer älteren Frau am Straßenrand halbwegs erklären kann wo ich hin will, komme ich aber dann mit Anbruch der Dunkelheit in Stara Zagora an und bin froh mit Boyko einen CouchSurfer gefunden zu haben, der mir für eine Nacht Unterschlupf gewährt...


Ich hab' ihm angemerkt, dass er sehr deprimiert ist, da er seit längerem bereits keine Arbeit  mehr hat. Er erzählt mir, dass er Lehrer ist, aber die Situation in Bulgarien nicht sehr rosig sei. Auch erzählt er mir von Monatslöhnen um die 400 € und einem Sozialsystem, was mit dem Deutschen noch bei weitem nicht vergleichbar ist. Umso erstaunlicher ist es einmal mehr, dass gerade diese Menschen so offen und hilfsbereit sind...

Am darauffolgenden Tag habe ich noch gut 150 km vor mir, allerdings überwiegend bei Regen und Temperaturen von 0° - 3°.


über den "Pass der Republik" durch die Berge, (fast) ohne gänzliche Orientierung und wie ihr seht mit einem sehr übergewichtigen Anteil an kyrillischer Beschilderung. Boyko und ich haben am Abend zurvor ein self-made road-book erstellt... :-)


Nachdem ich mich direkt zu Beginn einmal verfahren habe, finde ich dann den richtigen Weg...


Bei dem Wetter und Nieselregen beschlägt der Helm andauernd von Innen und auch Aussen setzt ein recht undurchsichtiger Film von Wasser an, der die Sicht fast verhindert, so dass ich sehr oft anhalten muss, Helm ausziehen, Visier trocknen und wieder weiter...

Am Straßenrand ist noch der Schnee vom Wochenanfang zu sehen und auch sind viele Felder noch leicht schneebedeckt. Nach insgesamt 4 h komme ich mit eiskalten Füßen, allerdings recht trocken in Idilevo an, wo ich im "MotoCamp Bulgaria" einen Stellplatz für mein Motorrad ausgemacht habe.

Ivo begrüßt mich und meint er habe sich schon arge Gedanken gemacht, ob ich es wirklich hierher schaffe oder er mich irgendwo mit dem Anhänger aufsammeln kommen müsste!? 


Ich stelle mein Motorrad in die Garage, Werkstatt oder beides zusammen, wo es in guter Gesellschaft ist ...


und mache mich daran die Batterie auszubauen und nach einer guten halben Stunde, ich bin fertig und traue meinen Augen nicht, da es bereits zu schneien begonnen hat und ein leichter Schneefilm die Landschaft bedeckt.


Am nächsten Tag nimmt Ivo mich in der Frühe mit nach Sevlievo und von dort ich dann den Bus nach Sofia. Die Landschaft ist mittlerweile durchgehend weiß und ich kann es selbst kaum glauben, dass ich gestern noch Motorrad gefahren sein soll...? 


Von daher sage ich mal  "Just in time!"

So bin ich vor ein paar Tagen zurück nach Frankfurt und Deutschland geflogen und werde die nächsten Wochen in meiner ehemaligen Heimat der Eifel verbringen und schauen wie es im Januar weiter gehen wird...???



3. Dezember 2012

Turkey Farming

Hello Everybody!

I would like to make a summary about my experience with the Turkish agricultural side after we circled around the entire country during the last two and a half months...


After entering Turkey we stopped by at a field, where an older FX 40 with 6-row Orbis - which really represanted the average machine in TR, I figured out later - was working in the corn...



The irigation system in Turkey is a little different. Farmers here put thin plastic tubes along the field, every 2nd row. They have little holes to drain the water every half a meter. I was very suprised about the treatment of those parts during harvest, because nobody cares about and they run allover them all the time... ?!?



I drove a while with the operator and figured out that chopping quality is different in Turkey, compared to Germany...??


Uuups.... :-)



In Bursa, I visited Bursa Tarim Fuari. The biggest farm-show in Turkey and almost all important brands did attend at the fuariThe Turkish market consists out of small hp-machines. So the average tractor sale is in the range between 60 to 69 hp, I’ve been told by sales people from New Holland, who take more than 50% of the market share!!!



One of their top-selling products, the 65 - 56S. A very simple machine!

The same with combines and forage harvesters. Just the medium products are required in Turkey, like CLAAS Tucano  or NH TC – series combines.



Also the people from Rostselmash out of Russia try to enter the Turkish market with their  new RSM-modell, which is mainly a copy of the Jaguar…



Their international sales manager told me - in a very Russian mood - that they are looking forward into extending their business further west. After 3 years in the Turkish market and 4 units in 2010 and 6 in 2011 they want to enter Hungarian market and Romania and extend further west till Poland with their forage harvesters and combines.



Having a closer look at the machines - and due to the fact that the CLAAS-area was right next to them- I could really tell a lot of similar parts and the whole outside design appears like a red Jaguar. II've got told the new RSM-series has mounted ZF-Axles, V8-engines from Mercedes-Benz and consists out of many parts from CLAAS Industry... 


Very honestly he explained that corn in Europe is way stronger, harder and has a much higher yield than in Russia, so their own cornheads do not perform very succesfully. So all machines for Eastern Europe are getting equiped with KEMPER-cornheads.



It looks like that the head of Rostselmash really intends to increase their business slightly westwards...!?  ;-)

I tried successfully to make an appointment with a member of the fair organization team and it turned out that Mr. Engün, the Project Manager from TÜYAP Fairs Inc. and head of this fair took some time for me and we had an interesting discussion about Turkish farming.


He explained me that Turkish agricultural manufactures increasing their business between 6 - 8% anually. A lot of machines are sold to the middle east like Iran, Iraq and Saudi-Arabia, but to different African countries, as well. This is because Turkis ag-machines are known to be very reliable, not that much than German ones, Mr. Engün added himself, but therefor way cheaper...  :-) 



HAATAT Traktör a Turkish manufacturer, which also produces the A-series of VALTRA-tractors for the market overhere...

I spent 2 very interesting days on the fairground before we left Bursa into East direction. Everybody told us, that after Bursa everything will become way more rural and this wasn’t a lie, at all.


Beside the main road no. 100, which goes from west to east Turkey, from the Bulgarian all the way to the Iranian border, all other roads are very small, partly not solid, under construction or suddenly turn into gravel without any warning. But I like that…!!! ;-)

The people in the rural are a kind of poor and many of them are farmers. Corn havest of 2 hectar sometimes takes a few days and with only one tractor, who carries several trailers...



So sometimes  lonely trailers appear in the fields.... ;-)

Tractors are also quite small. Mostly between 30till 60 hp.




Their tractor is everything, so the farmers take very good care and cover them very often with blankets...

All the machines are low-spec like this TC 56


again New Holland ... :-)


Just the tracks are special on this combine. No residue management and just mechanical adjustment for the sieves and everything else. Very simple, to keep the price low...

For me it looked like, that NH takes major business in very category of machines in Turkey!?

Because not all the tracors are 4WD-equipped, it's Mustafa with his new ERKUNT


who is responsable for the overloading-job between the combine and the other trailers.


Unbelievable.... :-)

Due there is no straw-management at the combines I was interested what happened with it, because so far I didn't see any round or even big balers in Northern Turkey. Just with a lighter Mustafa tried to explain me...


... that they burn it, after a week of drying. 

Turkisf farmers grow "Pirinc", a variety of rice very often and beside that al lot of wheat. That harvest is also in quite wet conditions...


In Rize in Eastern-turkey it's Ismael, a farmer who invited us to stay at his home for a night. He told me many intersting things about farming in Turkey. I was very suprised how those poor farmers can exist by almost 2€/ litre of Diesel. Ismael explained, that everything, which is not related to entertainment does not cost the common price. So the local farmers have just to pay a certain and way lower amount of the price.


That's Ismael together with us, after he served us a great dinner. He also mentioned that almost 50% of the people in eastern Turkey live from the agricultural side and mostly are self-supporters. I guess in those 4 hours I've learned more about Turkish farming than during 4 weeks research on a German office desk... ;-)

It's the goverment, which takes care about appr. 20% of the land. This is very well organized according to structure and location. They also run up to +300 hp machines and doing probably an efficient business!?
But the rest of the land is very shattered into many pieces even smaller than one acre...


Most of the local farmers sell their products right away on the street...


...and having a lot of fun, while doing it! :-)

Beside all this along the south coast, where it is way warmer, they grow many kind of fruits and vegetables like tomatos, bananas, oranges, a lot of lemons.


We've spend one night into a field of lemon trees and thought we did hide very well, but it was mistaken. Next morning the farmer came, but wasn't angry at all. He was very interesting in us and we had some nice talk before leaving. So he explained, that Tureky exports the majorty of their lemons to Russia and other countries further east (where it is not so warm, I guess).... 


To be honest, on our way back across the south of Turkey during the last week I wasn't anymore that much in the mood to take many pictures. I'm very exhausted because of my previous sickness, that dissapointments in Iran and just being somewhere else almost every day during the last 8 months.

But, by the way, I don't regret anything at all and am very proud of every single kilometer I drove out of the 28.137 and will continue, for sure.......

All the best to everyone!


Alexander Conrad